Die Versorgungslage

In den letzten 10 Jahren konnten einige wesentliche Verbesserungen für chronische Schmerzpatienten durchgesetzt werden. So ist z.B. in Hamburg seit 1990 das Thema Schmerz Lehr- und Prüfungsfach an der medizinischen Fakultät. Die anderen Bundesländer sind dem zwischenzeitlich gefolgt.

Seit 1995 regeln Sonderverträge zwischen Bundeskassenärztlicher Vereinigung und den Spitzenverbänden der Ersatzkassen Qualifikation, Umfang und Organisation schmerztherapeutischer Schwerpunktpraxen.

In 1996 hat der Bundes-Ärztetag die Einführung einer Zusatzbezeichnung "spezielle Schmerztherapie" beschlossen, die allen klinischen Fächern der Medizin offensteht. Nahezu alle Landesärztekammern haben inzwischen auf der Basis der Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer eigene Curricula aufgestellt und bieten diese regelmäßig an.

Leider hat sich durch diese Maßnahmen an der Situation chronischer Schmerzpatienten wenig verändert. Nach wie vor müssen Schmerzpatienten um Anerkennung und Akzeptanz kämpfen. Sie stehen unter extrem hohem Rechtfertigungsdruck für ihren Verlust an Fähigkeiten. Sie erleben immer wieder, daß ihre real empfundenen Beschwerden von Nichtbetroffenen gering geschätzt werden und immer noch hören sie Sätze wie "stellen Sie sich nicht so an" oder "damit müssen Sie halt leben". Nur wenige jedoch sagen ihnen auch wie.

Also doch nicht alles bestens? Solides Datenmaterial der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg belegt, daß aus dem Großraum Hamburg mit einer Bevölkerung von 2 Mio. seit 4 Jahren konstant jährlich rund 2.000 Schmerzpatienten in 8 speziell qualifizierten Schwerpunktpraxen betreut werden. Rechnet man dies auf das gesamte Gebiet der Bundesrepublik hoch, so ergeben sich Betreuungs- und Behandlungsmöglichkeiten für rund 80.000 Patienten. Hier haben wir also eine eklatante Versorgungslücke, die sich real auch in teils unzumutbaren Wartezeiten (3 Monate sind keine Seltenheit, gelegentlich berichten Patienten von Jahresfristen, eine uns bekannte Schmerzambulanz vergibt zur Zeit Termine für das Jahr 2001!) niederschlägt.

Ein weiteres Defizit stellt die ungünstige geographische Verteilung der wenigen qualifizierten Einrichtungen dar: während in den Ballungszentren sich eine einigermaßen zufriedenstellende Versorgungslage entwickelt, kann man in den strukturschwachen Regionen nur von desolaten Zuständen reden. So müssen sich z.B. 2 Mio. Niederbayern zwei universitäre Einrichtungen teilen, was für über 60 % der Betroffenen in dieser Region Fahrtstrecken von mehr als 180 Km bedeutet. Wie soll man über solche Distanzen eine erfolgreiche Patientenführung gewährleisten?

Diese aufgezeigten Mißverhältnisse sind schon lange bekannt. Bislang haben wir uns und die Patienten damit trösten müssen, daß die Schmerztherapie noch eine verhältnismäßig junge Disziplin ist, die „ihre besten Jahre noch vor sich hat“. Aber allmählich wird es Zeit, daß sich an diesem Dilemma etwas ändert.

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